Newsjunkie auf Entzug


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Hallo. Ich heiße Laura (”Hallo, Laura!”) und bin ein Newsjunkie. Zwar habe ich nie zuvor eine Selbsthilfegruppe besucht und eigentlich war meine Sucht mir gar nicht bekannt, doch Freitag und Samstag habe ich akute Entzugserscheinungen festgestellt.

Für gewöhnlich schaue ich ein bis zwei Nachrichten, klicke ein paar mal am Tag SPIEGEL-ONLINE an und gucke auch mal in die Google-News. Soweit so normal, denke ich. Die Seiten werden laufend aktuallisiert, ich bin immer auf dem neuesten Stand. Doch die letzten Tage … nichts, alles steht still. Die Seiten liegen einsam und verlassen da, kein Redakteur anwesend. Anscheinend sind alle auf großer Eiersuche sonstwo. Okay, es ist Ostern. Okay, auch Journalisten, Volontäre und andere Lebensformen haben ein Recht auf ein paar nette freie Tage. Aber entschuldigt das die Tatsache, dass unschuldige Informationsinteressierte einen ganzen Tag lang mit Gottschalks Grinsen konfrontiert werden? Dass sie tagelang nichts neues über.. warte, was war das, ich habs gleich, - ach herrje, ein Volksaufstand im Irak! erfahen haben? Nein!

Ich kann mir die Situation gut vorstellen:
Hausmeister, der im Redaktionsgebäude die Lichter an- und ausknippst, damits so aussieht als sei jemand da, liest zufällig die Meldung, welche der Ticker gerade ausspuckt. “Hmmm,” denkt er sich “Aufstand. Ich ruf’ mal wen an.” und greift zum Telefon. “Ja, Hallo? Chef? Hallo? Jaa, ich bins. Der Ude Schulz. Frohes Fest auch. - Was? - Warum ich anruf? Ja, ich weiß ja auch nich’. Ich hab hier son’ Zettel, von Aufstand in Irak… Ich hab halt gedacht .. - Was? - Ja, gut. Ich dacht’ ja bloß … Wiederhör’n.” In Blankenese schaltet der Chef sein Handy aus und wendet sich zu seiner Frau: “Das war der Schulz. Du glaubst es nicht, Schatz. Da fangen die im Irak eien Aufstand an! Über Ostern. Hast du sowas schon mal gehört? Aber nicht mit uns! Nee, mit uns nicht, das sag ich dir! Wenn die glauben, die können so einfach machen was sie wollen und hier erfährt’s dann jemand, dann haben sie sich getäuscht. Kein müdes Wort werde wir produzieren, solange, bis das letzte Osterei gefunden ist! Ach, Schatz. Das ist aber lieb, danke für den Kaffee…”

Und während sich die schreibende Zunft glücklich in Feiertagsfreuden ergeht, sind die verwirrten Nachrichtensuchenden sich selbst überlassen. Nicht einmal an die internationale Konkurrenz können sie sich wenden: Auf CNNs “World”-Seiten hatte man in den beiden Tagen ausgiebige Gelegenheit, sich mit Tasmanischen Teufeln bekannt zu machen. Wie putzig. Durchhalten heisst die Devise. Zwei schwere Tage, Sonntag und Ostermontag, stehen noch bevor.


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